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Balkonien, die Berge und die Seen

Fragt man den Münchner, was er an seiner Stadt am schönsten findet, erhält man oft die gleiche Antwort: Die Berge sind so nah, Italien liegt gleich um die Ecke, München ist von herrlicher Natur und Seen umgeben. Stimmt alles. Zyniker könnten aber auch bemerken, dass das Beste an München offensichtlich außerhalb Münchens liegt.

Tatsächlich hat Münchens oberbayerische Umgebung viele charmante Ecken und Winkel, die eine Reise Wert sind. Noch besser, wenn man bereits vor Ort ist. Nachdem die Reiselust nicht jede Woche mit einem Sprung ins Flugzeug gestillt werden kann, bieten diese Ziele eine perfekte Alternative für kurze Auszeiten auf Balkonien – HeimReisen in wenigen Kilometern Entfernung.

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Das Thermometer zeigt knapp 5 Grad, der Regen peitscht waagerecht gegen die Fenster. Der typisch bayerische, blau-weiße Schäfchenwolken-Himmel versteckt sich hinter einer düsteren, dunkelgrauen Wetterfront. Herrlich leer ist es am Herrschinger Anleger der Ammersee Schifffahrt. Nur einige wenige Besucher trotzten, zusammengekauert unter Kapuzen und Regenschirmen, der Sturm- und Regenwand und warten auf die “Diessen”, den liebevoll restaurierten, historischen Raddampfer.

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Laut tutet das Horn und die Diessen legt ab in Richtung ihres Namenshafens: Dießen am Ammersee. Drinnen bestaunen Kinder und Gäste hinter großen Glasscheiben das stetige Treiben der Schaufelräder, golden schimmert das polierte Messing und die gebohnerten Holzfußböden lassen den Glanz vergangener Tage, Anfang des vergangenen Jahrhunderts, wieder aufleben.

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Kurz darauf begrüßt uns Dießen am Ammersee: Traditionelle Wurzeln existieren auf lebensfrohe Weise neben moderner Seebad-Kultur. Hier der lässige Coffee-Shop, dort das traditionelle Gasthaus. Brauchtum, Kunst und Kitsch mischen sich zu einem individuellen und gleichzeitig harmonischen Ganzen. Die Atmosphäre am Ort ist außergewöhnlich. Und auch der mittlerweile leichte Nieselregen und die frischen Temperaturen stören ganz plötzlich nicht mehr.

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Stattdessen genießt man den Spaziergang durch die liebevoll angelegten, grünen Hinterzimmer des Ortes. Kinder betrachten voller Neugier die Kanäle und Bassins, die das kleine Dorf durchziehen und in denen die allgegenwärtigen Renken gezüchtet werden. Frische Renke, geräuchert, gebraten, gedämpft oder aus dem Wurzelsud, bestimmt die Speisekarten der Gasthäuser. Wer mag, besucht die ehemalige Augustiner-Chorherren-Stiftskirche St. Maria. Die Kirche mit ihrem Tiepolo-Altargemälde gilt als eine der großartigsten Barockkirchen Deutschlands.

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Von Dießen aus geht die Fahrt weiter entlang des Westufers des Ammersees. Draußen peitscht der Wind die Regenböen über den Himmel. Drinnen sitz man gemütlich im Warmen und kann das Naturschauspiel durch die Panoramascheiben beobachten. Wer will, kann so auf der großen Rundfahrt einmal den gesamten See umschiffen. Es lohnt sich aber, an der einen oder anderen Anlegestelle auszusteigen, denn auch die anderen Orte entlang des Seeufers haben ihren ganz besonderen Charme. Die Schiffe der “Weiß-Blauen-Flotte” verkehren von Ostern bis Mitte Oktober auf dem Ammersee. Besonders mit Kindern und auch bei schlechtem Wetter erlebt man hier einen spannenden Kurztrip – und gibt hinterher den Münchnern Recht: Das Beste an Münche liegt direkt vor der Stadt.

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