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Dubai oder 1001 Nacht reloaded

Gerade zurück von einem Kurztrip nach Dubai mit den Kids, höre ich vor allem immer wieder eine Frage: Ja, findet man denn da auch Authentizität? Seltsame Frage, denke ich mir dann immer. Natürlich ist Dubai authentisch. Authentisch Dubai eben.

Mit lang gestreckten Flügeln holt das Tier Schwung. Eine letzte Kurve noch, dann stürzt sich der Falke pfeilschnell auf sein Ziel. In letzter Sekunde reisst sein Ausbilder den Köder am Seil beiseite. Der Vogel setzt zur nächsten Runde an. Wir sitzen in der untergehenden Sonne am Rande des Dubai Desert Conservation Reserve. Es ist brütend heiß. Dazu kommt eine drückende Schwüle.

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Die Falken-Vorführung ist der Auftakt zu unserem Abend zwischen den rot leuchtenden Sandbergen, die die Megacity Dubai umgeben. Später werden wir weiter in die Wüste hinein fahren. Sundowner und ein nächtlicher BBQ warten auf uns. Besorgt betrachte ich den immer dunkler werdenden Himmel. Es wird doch nicht regnen? Unsinn, denke ich mir. Um mich herum gibt es nichts als Sand, Staub und ein paar verdorrte Sträucher. Ziemlich offensichtlich, dass es hier keinen Regen gibt.

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Die Stadt der Superlative

Gut eine Stunde zuvor haben wir die quirligen Straßen und die im Feierabendverkehr von Blechlawinen überzogenen Highways der Wüstenmetropole verlassen. Hinter uns liegt ein Tag der Superlative. Das ist typisch für Dubai. Das größte Einkaufscenter der Welt, die Dubai Mall, steht hier. Natürlich beherbergt sie das weltweit größte Aquarium.

Gleich daneben findet sich mit dem Burj Khalifa das höchste Bauwerk der Welt. Zu seinen Füßen liegt die Dubai Fountain die, man ahnt es schon, das größte Wasserspiel der Welt ist. Etwas außerhalb der City entsteht gerade der neue Flughafen des Wüstenemirats. Auch er angelegt, um eines Tages den Rang als weltgrößter Airport zu übernehmen. Doch nicht nur hoch und groß gibt es hier. Auch alle anderen Endungen auf „-ste“ werden bedient.

Höchste, schnellste, modernste, beste – das ist die Vision mit der Dubais Herrscher, Sheikh Mohammed bin Rashid Al Maktoum, das Emirat vorantreibt. Und das tut er nicht ohne Grund. Dubai hat entgegen gängiger Vorstellungen wenig eigene Ölvorkommen, zumindest im Vergleich zu den anderen Emiraten der VAE. In etwas 40 Jahren sollen die Quellen versiegen. Ohne den Tourismus, ohne die Freihandelszonen und ohne den Flughafen, der heute als Tor und Drehscheibe nach Europa, Asien und Amerika dient, wäre die Perspektive für das Land wenig rosig.

Gegensätze am Ufer des Creeks

Doch so hat sich der Ort, der vor 30 Jahren nicht viel mehr als ein verschlafenes Nest der Fischer, Händler und Schmuggler war, in eine gigantische City der Superlative verwandelt. Ein bisschen vom „alten“ Dubai kann man noch an den Ufern des Dubai Creek entdecken. Hier, zwischen den Souks scheint die Zeit stehen geblieben zu sein.

Eng an eng liegen die alten, hölzernen Dhaus vertaut, die auf abenteuerliche Weise mit Säcken und Waren vollgestapelt werden. Ihre Reise geht von Dubai entlang der Ufer des Persischen Golfs und bis hinüber nach Pakistan und Indien, wo sie ihre Fracht aus Kühlschränken, Getriebeteilen und Lebensmittelsäcken wieder abladen.

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Beim Anblick der gebrechlichen Holzboote kann man kaum glauben, dass sie auch nur den nächsten Fluss überqueren könnten, geschweige denn hochseetauglich sind. Hier zu sitzen, das Leben und Treiben rund um die mittelalterlich anmutenden Frachtkähne anzusehen, mitten in dieser spiegelnden und glitzernden Wüstenmetropole, ist ausgesprochen faszinierend. Erste und Dritte Welt treffen ungefiltert aufeinander.

Rund um den Creek wächst Dubai währenddessen rasant weiter. Immer im Fokus des Ausbaus steht dabei der Tourismus. Der Legende nach waren es ein paar deutsche Reisende, die den Scheich zu seiner Vision für Dubais Zukunft inspirierten. Angeblich traf er diese eines Tages in der sengenden Sonne und Hitze am Strand an. Auf seine verblüffte Nachfrage, ob es ihnen nicht zu heiß sei, antworteten sie, dass es für einen deutschen Touristen gar nicht warm genug sein könne. Das sei der Schlüsselmoment gewesen, in dem er verstand, welches enorme touristische Potenzial in der Region liegt.

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Ein Paradies für Kinder

Seitdem entstehen Jahr für Jahr neue Attraktionen für die Besucher. Mitterweile sind es so viele, dass man auch in einer Woche keine Chance hat, sie alle auszuprobieren. Ein bisschen wirkt Dubai dabei wie ein riesiger Erlebnispark, was natürlich gerade bei Kindern Begeisterung hervorruft. Ob beim staunenden Gang durch den Unterwassertunnel des Dubai Aquariums, umschwebt von Haien, bunten Rifffischen und allerlei anderem Meeresgetier oder beim Besuch im Kidzania, dieser einzigartigen Fantasiestadt für Kinder, einer Art Mega-Rollenspiel, bei dem der Nachwuchs Berufe erlernen, mit einer eigenen Währung handeln und das Leben der Erwachsenen nachspielen kann, langweilig wird es in Dubai niemals.

Wer etwas mehr von der Stadt sehen will, bucht sich ein Ticket für den Wonderbus. Nach einer kurzen Fahrt durch die Straßen der Stadt nimmt das Amphibienfahrzeug Anlauf und schießt über eine Rampe klatschend in die Fluten des Dubai Creek.

Traumresorts an Traumstränden

Aber natürlich geht es in Dubai nicht nur um die Attraktionen. Hauptanziehungspunkt des Emirats sind seine kilometerlangen, feinsandigen Strände, die die gesamten Küstenlinie säumen. Eine unglaubliche Vielzahl von Hotels bietet hier Urlaubserlebnisse für alle Ansprüche. Neben reinen Stadthotels, reihen sich entlang der Strände die Resorts aneinander. Wer abends Wert auf Nightlife direkt vor der Haustür legt, ist in der Gegend der Dubai Marina bestens aufgehoben.

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Wer vom Strand aus keine Hochhäuser sehen möchte, findet seine perfekte Unterkunft etwas außerhalb des City-Centers. Hier, in Jebel Ali, liegt an einem breiten, weißen Sandstrand die Anlage des JA Palm Tree Court. Für Familien eine ideale Location. Flache, zwei- bis dreistöckige Gebäude durchziehen die weitläufige und grüne Anlage. Pfaue spazieren gemessenen Schritts umher und erfreuen die Kinder mit ihrem bunten Rad. Diverse Poolanlagen und der hauseigene Kinderclub sorgen dafür, dass beim Nachwuchs keine Wünsche offenbleiben.

It never rains in…

Und dann gibt es eben noch die Wüste. Die Falkenshow ist mittlerweile beendet. Wir sind zurück in unserem Jeep. Gerade jagt unser Fahrer schlingernd die erste Düne herauf und gleich darauf halsbrecherisch wieder hinunter. Die Kinder schreien begeistert auf und auch ich hoffe, dass das Spiel noch eine Weile weitergeht, bevor wir das Wüstencamp für zum nächtlichen BBQ erreichen.

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Doch Moment, was ist das? Ein dicker nasser Tropfen platscht auf die Windschutzscheibe. Der Fahrer schaut ungläubig auf das Glas, dann zum Himmel, und dann wieder auf die Scheibe. Ein zweiter und dritter Tropfen kommen dazu. Kein Zweifel, es regnet. In der Wüste. Und kurz darauf geht um uns herum die Welt unter. Es donnert, es blitzt, es gießt in Strömen. Plötzlich scheinen Steine auf dem Dach einzuschlagen. Im nächsten Augenblick ist der Wüstensand mit Tischtennisball großen Hagelkörnern überzogen, die Dünen verwandeln sich in einen zähen, rötlichen Schlamm. Über das Funkgerät kommt das Signal zum Abbruch der Tour. Alle Fahrzeuge werden zurück zum Eingang des Wüstenreservats beordert. Auf der Rückfahrt zum Hotel werde ich einen Ohrwurm nicht mehr los. It never rains in…

Ist Dubai nun authentisch?

Unser authentischer Wüstenabend, er wurde ersetzt durch einen höchst authentischen Wolkenbruch in der Wüste. Und auch wenn dieser nur alle paar Jahre einmal vorkommt, so war es doch ein authentisches Wüstenerlebnis. Und damit sind wir zurück bei der Frage, die ich in den letzten Tagen so oft gehört habe. Ist Dubai authentisch? Selbstverständlich. Das Emirat am Persischen Golf ist absolut einmalig. Auch wenn einige andere Städte ihm inzwischen nacheifern, so etwas wie Dubai, diese verrückte Stadt der Superlative, gibt es nur hier. Authentischer könnte es daher gar nicht sein.

Wer unter Authentizität dagegen mittelalterlich verschlungene Souks und Basare, zeltende Beduinen und Wüstenromantik á la Sindbad und Aladin versteht, wer also dem typisch romantisierten Bild vom Orient folgt, wie ihn der Europäer gerne sehen möchten, der wird in Dubai nicht finden, was er sucht. Das macht aber auch gar nichts. Dafür reist man dann halt in den Jemen. Und bis dahin genießt man Dubai so, wie es ist. Als höchst authentische, moderne, stylishe und auf die Zukunft ausgerichtete Vision eines Herrschers, der seinem Land und seiner Bevölkerung ein ganz eigenes Märchen beschert hat: 1001 Nacht reloaded …

 

Der Dank für die Einladung zu dieser Reise geht an Dubai Tourism und die JA Resorts & Hotels.



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