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Val Cenis – Traumhafte Pisten und kulinarische Highlights

Frankreich ist bekannt für seine ausgezeichnete Küche. Trotzdem war ich vor unseren Skiurlaub in Val Cenis nicht davon überzeugt, dass das auch für eine Reise mit Kindern die perfekte Kombination wäre. Für Froschschenkel würde ich die Kids jedenfalls nicht begeistern können. Aber das war auch gar nicht nötig.

Wer mich kennt, weiß, dass ich Käse liebe. Geschmolzenen Käse, um genau zu sein. Und damit war ich in Val Cenis in meinem persönlichen Paradies angekommen. Denn die savoyardische Küche liebt den geschmolzenen Käse scheinbar genauso sehr wie ich.

Nahezu jedes Restaurant bietet Raclette an. Dabei wird der Käse direkt in einen Tischgrill eingespannt und mittels eines Spachtels frisch schmelzend vom Laib geschabt. Ein weiteres Highlight für Fans von fließendem Käse ist Tartiflette, ein Kartoffelauflauf, der mit Reblochon überbacken wird. Und auch sonst ist ein Skiurlaub in den Savoyen ein kulinarisches Erlebnis. Entlang der Hauptstraßen von Lansleboug und Lanslevillard reiht sich eine Fromagerie an die andere, Patisserien bieten ständig frischgebackene Baguettes, Croissants und süße Backwaren an. Entlang der Pisten servieren die Hütten köstliche Crepes und andere Gerichte zu wirklich fairen Preisen. Und die Kinder freuen sich morgens über noch ofenwarme Pain au Chocolat.

Raclette

Bei so viel kalorienhaltigen Leckereien braucht man dringend Bewegung. Und die bekommt man auf den 125 Pistenkilometern von Val Cenis Vanoise zu Genüge. Die Auswahl zwischen blauen, roten, schwarzen Pisten und zwei Snowparks ist riesig, 28 Liftanlagen sorgen dafür, dass sich nirgendwo lange Schlangen bilden. Das Skigebiet hält besonders für Familien mit kleinen Kindern ein tolles Angebot bereit. Die Familienabfahrt ermöglicht es auch schon den Kids, von ganz oben, auf 2.800 Metern, über einfache Pisten bis ins Tal abzufahren. Und für Anfänger und ganz kleine Kinder gibt es noch eine Besonderheit: die Escargot. Diese grün ausgewiesene Strecke ist eigentlich eine Bergstraße, die sich mit sanftem Gefälle von der Bergstation des Sessellifts Ramasse auf gut 2.000 Metern bis nach Lanslebourg windet. Die Escargot hat eine Länge von 10 Kilometern und ermöglicht so auch Ski-Neulingen und den ganz Kleinen das Erlebnis einer langen Bergabfahrt. Wer zwischendrin ein bisschen Action sucht, nimmt einfach eine der vielen direkt von der Escargot abgehenden Pisten, die in senkrechter Linie Richtung Tal führen, und trifft die anderen dann auf dem nächsten Schenkel der Serpentinenstraße wieder. Traumhaft ist übrigens auch der Ausblick von den Pisten, gerade im höher gelegenen Bereich. An vielen Stellen hat man einem wunderschönen Blick über das gesamte Tal oder auf den Lac du Mont Cenis, einen Speichersee ganz oben am Berg.

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Die Unterkünfte in Val Cenis sind überwiegend Appartementhäuser mit angeschlossenem Service. Im Gegensatz zu vielen anderen französischen Skigebieten, die von klotzigen Bettenburgen geprägt sind, sind die Gebäude niedrig und mit viel Holz und Naturstein an die typisch savoryadische Bauweise angepasst. Wir wohnten im Les Alpages de Val Cenis, das direkt an der Piste liegt und so das lästige Skier schleppen erspart. Wer sich schon mal mit eigener Ausrüstung und zwei quengelnden Kids, die in ihren Skischuhen eh kaum von der Stelle kommen, drei Paar Skier und sechs Stöcke balancierend, auf den Weg zum Skibus gemacht hat, weiß, wie viel das Wert ist. Die Appartements im Les Alpages sind für deutsche Verhältnisse recht klein. Wir hatten ein Vierer-Appartement mit einem Schlafzimmer und einem Wohnzimmer mit Schlafcouch, die für Erwachsene nur bedingt geeignet ist. Da wir abends natürlich länger aufbleiben wollten als die Kids, legten wir sie zuerst in unserem Bett schlafen und trugen sie dann später in der Nacht rüber zur Schlafcouch. Wenn möglich, würde ich empfehlen für eine vierköpfige Familie das Sechser-Appartement mit zwei Schlafzimmern zu mieten. Da wir mit unserer Buchung sehr spät dran waren, waren diese nicht mehr verfügbar. Wir wussten aber vorher, dass die Wohnung nicht groß ist, und haben uns auch in unserem gemütlichen, kleinen Appartement sehr wohl gefühlt. Wer nach dem Skifahren noch etwas relaxen will, kann im hauseigenen Wellnessbereich mit Dampfbad, Jacuzzi und beheiztem Außenpool entspannen. Oder den Kids vom Balkon aus beim Rodeln am Gartenhang der Anlage zusehen.

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Hat es auch etwas gegeben, das mir nicht gefallen hat? Ja! Absolut nicht einverstanden war ich mit der Skischule ESF. Die ESF ist ein riesiger Verbund von Skischulen in ganz Frankreich mit 250 Niederlassungen und 17.000 Lehrern und bildet damit die größte Skischule der Welt, die jährlich 2 Millionen Schüler durchschleust. Skikurse werden hier theoretisch auf Französisch, Englisch, Holländisch, Italienisch und Spanisch angeboten. Deutsch ist nicht dabei, was für uns kein großes Problem war, da unsere Kinder Englisch sprechen. Was dagegen sehr wohl ein Problem war, war die Tatsache, dass der gebuchte englischsprachige Kurs unseres Vierjährigen eigentlich auf Französisch stattfand und die Skilehrerin nur sehr rudimentäre Englischkenntnisse hatte. Das alleine wäre aber noch kein Drama gewesen.

Was aber gar nicht ging, war die Kursstärke von 18 Kindern im Alter von 4 und 5 Jahren mit nur einer einzigen Lehrerin. In anderen Ländern wären solche Zahlen gar nicht zulässig. Nach kurzer Übung am Talhang wurden die vierjährigen Anfänger, die zum Teil niemals zuvor Sessellift gefahren waren, schlicht und ergreifend zu fremden, zufällig vorbeikommenden Skifahrern in den Lift gesetzt und so portionsweise auf den Berg transportiert, wo sie alleine aussteigen und auf ihre Lehrerin warten sollten. Das war der Moment, an dem mein Sohn streikte. Und hätte er es nicht getan, hätte ich mein Veto eingelegt. In den nächsten Tagen konnte ich noch oft beobachten wie sich desorientierte Gruppen von Kleinkindern an den Bergstationen der Sessellifte sammelten und planlos mitten auf der Liftausfahrt rumstanden, sodass aussteigende Skifahrer nur mit kunstvollen Manövern verhindern konnten, die Zwerge über den Haufen zu fahren. Bei allem Verständnis für die Stoßzeiten in der Silvesterwoche – 18 so kleine Anfänger am Berg und in hochalpinem Gelände, mit nur einem einzigen Skilehrer, geht gar nicht. Vom Lerneffekt bei der Gruppengröße mal ganz zu schweigen. Für den Rest des Urlaubs war dann Papa-Skikurs angesagt. Die Große hatte etwas mehr “Glück”. In ihrem Kurs waren “nur” 13 Kinder und ihre Lehrerin übersetzte die Anweisungen auch ab und zu auf Englisch. Sie hat den Kurs zu Ende gemacht und Spaß dabei gehabt. Gelernt hat sie in anderen Skikursen aber deutlich mehr. Ach ja, natürlich lehnte die Skischule eine Erstattung der bereits gezahlten Kursgebühr für den Kleineren oder die Umwandlung in eine Einzelstunde ab. Sorry ESF, das war wirklich keine Glanzleistung…

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Am Abend dann wird es ruhig in Val Cenis. Die überwiegend französischen Urlauber treffen sich mit Freunden und Familie zum entspannten Abendessen. In den Boulangerien und Patisserien bilden sich lange Schlangen. Viele kaufen hier die leckeren Spezialitäten ein und kochen gemeinsam in den Appartements. Der Rest trifft sich in einem der kleinen und überwiegend sehr guten Restaurants entlang der Hauptstraße. Allzu viele sind das nicht, daher unbedingt einen Tisch reservieren. Spontan bekommt man nur schwer einen Platz. Da Val Cenis ein Familienskigebiet ist, gibt es nur wenige Bars und wer klassisches Après-Ski sucht, wird hier nicht glücklich werden. Mit müden Kindern, die nach einem langen Tag auf der Piste ausgepowert sind, kann man aber herrlich relaxte Abende bei gutem Essen und einem Glas Wein genießen.

Mein Fazit nach einer Woche Val Cenis? Ich würde einen Familienskiurlaub in diesem wunderschönen Skigebiet absolut weiterempfehlen. Mit kleinen Kindern, die noch Anfänger auf den Brettern sind, muss man sich darüber im Klaren sein, dass ein Skikurs in der gewohnten Form hier nicht möglich ist. Für alle anderen warten in Val Cenis schöne, absolut schneesichere Pisten, nette kleine Ortschaften, hervorragendes Essen und ein Skiurlaub zu wirklich fairen Preisen. Dafür lohnt sich definitv auch die etwas längere Anreise. Wie die so war, könnt ihr übrigens hier nachlesen: Schneesicher in den Savoyen – Skiurlaub mit Charme

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Ich danke SnowTrex-Reisen für die Einladung zu diesem Skiurlaub.



There are 3 comments

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  1. Karina

    Vielen Dank für den zweiten Bericht. Das klingt wirklich toll! Wir werden es buchen und im März ausprobieren.
    Liebe Grüße, Karina

  2. fernwehmitkids

    Hallo Ariane,
    in erster Linie sind natürlich viele französische Urlauber da. In der Silvester-Woche waren zusätzlich viele Skifahrer aus England da. Persönlich habe ich ansonsten noch Holländer, Italiener, Spanier, Schweizer und Deutsche getroffen. Die Atmosphäre ist richtig relaxt. Tagsüber ausführlich Skifahren, abends entspannt den Tag mit Freunden ausklingen lassen…
    LG, Claudia


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