slowenien

Zwischen Soča und Friaul

Die schönsten Plätze der Welt findet man häufig per Zufall. Vor einiger Zeit folgten wir einer Einladung von Freunden nach Nova Gorica. Zugegeben, ich musste erst einmal auf der Landkarte nachsehen, wo der Ort liegt. Nova Gorica, auf deutsch auch Neu-Görz, ist eine Kleinstadt in Slowenien, direkt an der italienischen Grenze.

Die Stadt hat eine wechselhafte Geschichte, der sie auch ihre Namen in drei Sprachen verdankt. Zunächst als “Görz” zu Österreich gehörend,  ging sie nach dem 1. Weltkrieg an Italien über und wurde zukünftig als “Gorizia” bezeichnet. Im Rahmen des Friedens von Paris 1947 wurde die Stadt dann geteilt. Der größere Teil verblieb in Italien, einige Vorstädte und der 1945 von Partisanen besetzte Bahnhof der Stadt, gingen an Jugoslawien über. Seitdem ist der heute slowenische Teil des Ortes unter dem Namen “Nova Gorica” bekannt.

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Auf unserer ToTravel-Liste stand die Region vorher nicht – aber glücklicher Weise hatte es einen guten Freund durch Zufall in den kleinen Ort verschlagen. Also packten wir das Auto und machten uns auf den Weg nach Slowenien, ohne genau zu wissen was uns erwarten würde. Der erste Eindruck des kleinen Ortes war der einer Stadt, die immer noch Spuren der Teilung der vergangenen Jahrzehnte zeigt. Während der italienische Part sich als etwas verschlafene, aber typisch malerische, italienische Kleinstadt präsentiert, finden sich auf slowenischer Seite die, für den ehemaligen Ostblock typischen, Plattenbauten. Umso mehr punktet die Stadt mit ihrer Lage. Wirtschaftlich etwas unglücklich ab der großen Verkehrsadern gelegen, ist Gorizia dafür umso mehr mit seiner landschaftlichen Umgebung gesegnet.

Nördlich der Stadt erstrecken sich die traumhaften, rauen Nationalparks entlang des Flusses Soča, der sich mit seinem kristallklaren Wasser und der atemberaubend schönen, grünblauen Farbe durch tiefe, bewaldete Schluchten und entlang schroffer Felswände windet.

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Nicht ohne Grund gehört die gewundene Landstraße entlang des Flussufers zu einer der beliebtesten Routen für Motorrad-Touren. Kleine Dörfer liegen an der Strecke und laden zu Pausen ein. Kiesbänke erstrecken sich weit in den Fluß und bieten einsame Bade- und Sonnenplätze. Wir verbrachten hier einen herrlichen Nachmittag. Während die Kinder im seichten Flusswasser spielten, Kiesel auftürmten und Staudämme bauten, genossen wir die Sonne und den romantischen Ausblick auf die Natur und die sich eng an das Steilufer schmiegenden Dörfer.

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Fährt man von Gorizia aus dagegen in südlicher Richtung, erreicht man schon nach kurzer Zeit die italienische Adria-Küste. Nur 35 Kilometer entfernt, liegt die Hafenstadt Triest. Der Weg dorthin führt entlang einer gewundenen Küstenstrasse, die sich, hoch über dem Meer liegend, durch die zerklüfteten Klippen zieht.

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Ein erster Stopp auf der Strecke ist das Schloss Miramare. Man parkt etwas abseits der Parkanlagen und geht den letzten Rest des Weges zu Fuß. Hier erlebten wir einen unserer Fernweh-mit-Kids-Momente, an den wir sicher noch lange denken werde. Die Tochter war kurz vor Ankunft im Auto eingeschlafen. Müde und genervt, war sie nicht bereit weiter zu gehen. Die Option auf Papas Schultern den Rest der Strecke zurück zu legen, fand sie allerdings genauso unpassend. Mit einem alterstypischen, ausgewachsenen Wutanfall schmiss sie sich auf den Weg und war vor lauter Heulen und Zetern nicht mehr ansprechbar. Nach einigem guten Zureden entschieden wir uns dazu, einfach weiterzugehen. Schließlich wussten wir aus Erfahrung, dass das die Atacke schnell beenden würde. Hier hatten wir die Rechnung aber ohne die italienischen Besucher gemacht. Schnell fand sich eine größere Gruppe italienischer Touristen, die sich über die offensichtlichen Mißstände auf das Äußerste empörten. Wir beugten uns der geballten Meinung der Gastgeber und nach zähen, sehr ausführlichen Verhandlungen kamen wir dann doch noch im Schlosspark an. Leider hatte die Schloss-Besichtigung inzwischen ihren Feierabend erreicht. Der Blick durch die gepflegten, blumengesäumten Gärten auf das Schlösschen, das hier hoch über dem Meer thront, entschädigte trotzdem und das etwas später folgende Abendessen am Hafen von Triest verlief wieder friedlich und harmonisch.

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Ein letzter Ausflug führte uns dann am nächsten Tag in das 65 Kilometer westlich von Nova Gorica gelegene Ljubljana. Die Haupstadt Sloweniens ist zugleich das politische, wirtschaftliche und kulturelle Zentrum des Landes. Mit seinen entspannten Cafés, die entlang der Ufer Ljubljnaica liegen, der lebhaften, jungen und gleichzeitig kulturell reichen Atmosphäre, weckte die Stadt bei mir sofort Assoziationen zu Kopenhagen und Prag.

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Die Kids genossen den Spaziergang durch die vibrierende Innenstadt und wir nahmen begeistert die Stimmung dieser  lebendigen Kultur-Metropole auf. Als der laue Sommerabend sich dem Ende neigte und die blaue Stunde hereinabrach, beleuchteten unzählige Laternen die Wege entlang der Flussufer und Bars und Restaurants luden mit ihren windlichtgedeckten Tischen zu einem entspannten Stop ein.

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