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Myanmar mit Kindern – im Land der goldenen Pagoden

Reist auf unserer interaktiven Karte und im Live-Blog mit uns durch Myanmar. Von Yangon aus geht es über den Inle See und weiter nach Mandalay, anschließend zu den Pagoden von Bagan und dann an den Traumstrand Ngapalis.

Klickt auf die Karte und folgt uns durch Myanmar. Während der Reise werden wir sie Stück für Stück mit Inhalten füllen. Außerdem findet ihr hier wie immer unseren Live-Reiseblog.


Tag 1 – Bangkok:

Natürlich waren wir, wie immer, nach 17 Stunden Anreise und 2 Stunden Immigration und Taxifahrt, zu müde für ausschweifende Touren. Nicht so tragisch, schließlich kennen wir Bangkok gut. Trotzdem haben wir uns fest vorgenommen, der City of Angels beim nächsten Mal wieder ein paar eigene Stunden einzuplanen. So bleibt es beim Stop-over in unserem Bangkoker Lieblingshotel, dem Anantara Riverside, und einem Kurzausflug auf dem Chao Phraya Richtung Stadt.

Tag 2 – Yangon:

Der Flug von Bangkok nach Yangon ist eher kurz. Kaum bleibt Zeit, die Immigration-Cards für alle vier auszufüllen. Angekommen, verlieben wir uns erst einmal Hals über Kopf in unser Hotel. Das Savoy ist eine echte Oase im Stadtchaos. Cozy, romantisch und komplett entspannt.  Wir sind gespannt, wie die nächsten Tage werden. Chaotisch, laut dreckig, nicht für Kinder geeignet, das hatten wir im Vorfeld der Reise oft zu hören bekommen. Der erste Eindruck aus dem Taxifenster ist anders. Die Stadt ist völlig normal. Irgendwo zwischen Mumbai und Phnom Penh – aber nichts anderes hatten wir erwartet.

Kurz ausgepackt im Hotel und wir machen uns auf den Weg. Es sind nur wenige Meter bis zur Shwedagon Pagode.

Jeder hatte es uns gesagt: “Wenn ihr in Yangon seid, dann plant viel Zeit für die Shwedagon Pagode sein.” Die Shwedagon Pagode ist das religiöse Herzstück Myanmars, das Zentrum des Buddhismus. Ich schaute mir Fotos an, las Reiseberichte – und trotzdem blieb da dieser Eindruck: Ja klar, ein wichtiger Tempel, bestimmt schön und auch beeindruckend, aber doch nur einer von vielen, die man schon gesehen hatte.

Ich hätte mich nicht mehr irren können!

Die Shwedagon-Pagode ist einzigartig und einer der besondersten Orte, an denen ich je war. Das liegt vor allem daran, dass das spirituelle Zentrum Myanmars so voller alltäglichem Leben ist. Die Menschen kommen hierher, nicht nur zu Festtagen, sondern ganz alltäglich, für ihre großen und ihre kleinen Sorgen. Und sie kommen in Massen. Gemeinsam mit all denen, die etwas besonders zu feiern haben. So zum Beispiel die Einführung des Sohnes, der die nächste Zeit als Novize im Kloster verbringen wird.

Es ist wahr, man könnte stundenlang auf den Stufen im riesigen Tempelareal sitzen und den Menschen dabei zusehen, wie sie ihre tiefe Spiritualität ausleben.

Eigentlich wollten wir wir heute noch weiter in die Stadt. Stattdessen sind wir hängengeblieben, an diesem besonderen Ort. Und wir werden wiederkommen.

Tag 3 – Yangon:

So ganz will der Funke noch nicht überspringen. Die Shwedagon-Pagode hat uns begeistert. Der Rest der Stadt fällt uns noch ein bisschen schwer. Wir waren den ganzen Tag unterwegs, haben uns angeschaut, was man sich so ansehen soll. Vom Bogyoke Market über die Sule Pagode bis nach Chinatown. Yangon erinnert mich immer noch sehr an Mumbai. Die Hitze, die Gerüche, das Chaos auf den Straßen. Definitiv eine Herausforderung für alle Sinne, allerdings für mich ohne den Charme, den ich in Mumbai durchaus finden kann.

Der Bereich nördlich der Sule-Pagode ist voller Leben, wenn man das Verkehrschaos auf den Straßen so nennen mag. Hier schießen auch einige hochmoderne Wolkenkratzer und Einkaufscenter in den Himmel. Man kann ahnen, was aus der Stadt einmal werden wird. Auch wenn hier die Entwicklung viele Jahrzehnte hinterher hinkt und man hoffen könnte, dass die Stadtplaner aus den Fehlern anderer asiatischer Superstädte lernen würden, ist zu befürchten, dass das nicht der Fall sein wird.

Südlich der Sule Pagode erstreckt sich dann das Viertel mit den alten Kolonialbauten. Viele stehen leer und bedürften dringend einer Sanierung. Einige wurden wieder hergerichtet und beherbergen Behörden, Unternehmen oder Hotels. Ansonsten sind die Straßen fast leer. Ist es ein paar Meter weiter Richtung Norden fast unmöglich, die Straßen lebend zu überqueren, Ampeln oder ähnliches gibt es so gut wie keine, kann man hier inmitten eines vierspurigen Boulevards auf der Fahrbahn spazieren. Außer ein paar Büroangestellten oder Touristen finden eher wenige einen Grund, sich hier aufzuhalten.

Am Abend dann fahren wir nach einer Pause noch einmal in die Innenstadt. Die 19th Street, die Straße der Grillrestaurants und Streetfood-Stände ist das Ziel. Tatsächlich hat die Straße ihren Charme. Noch ist sie nicht völlig zu einer Touristenattraktion verkommen. An den Tischen auf der Straße sitzen Einheimische und Backpacker einträchtig beisammen.  Es gibt Myanmar-Bier und frisch gegrillte Spieße mit allem, was kurz zuvor nach an Land oder im Wasser gelaufen, geschwommen oder gekrabbelt ist. Einzig die zwei Reisegruppen, die mit leicht pikierten Blicken den in die Höhe gereckten Nummernschildern ihres Kreuzfahrtschiffes hinterherlaufen, stören die Szenerie ein wenig.

Morgen dann ist unser letzter Tag in Yangon. Es geht definitiv noch einmal zurück in die Shwedagon-Pagode. Unserer Meinung nach DER Grund, Yangon zu besuchen. Diesmal am Abend, zum Sonnenuntergang und der anschließend einsetzenden Nacht.

Tag 4 – Yangon:

Zum Abschluss unserer Tage in Yangon sind wir noch einmal in die Shwedagon Pagode zurückgekehrt. Spät am Nachmittag, kurz bevor die Dämmerung einbrach. Am Ende blieben wir viele Stunden dort. Wir konnten uns einfach nicht trennen. So faszinierend die Atmosphäre in der Pagode bereits am Tag ist, so einzigartig ist sie am Abend. Bis spät in die Nacht hinein kommen immer noch viele Gläubige hierher. Mönchen, Nonnen, Paare und Familien. Manche wandern einfach nur um die Stupa herum, andere suchen sich eine ruhige Ecke und meditieren. Es werden Selfies geknipst und Familienfotos gemacht, gebetet und Buddhas gewaschen. Die Stimmung ist fast schon ausgelassen, wenn auch mit der nötigen spirituellen Ruhe. Während die einen feierlich die Ölkerzen entzünden, jagen fröhlich spielende Kinder durch die Mengen. Großeltern mit ihren Enkeln sitzen am Rand und beobachten das nächtliche Treiben, Mönche lassen sich mit Touristen fotografieren, inbrünstig betende werfen sich vor den Buddha-Statuen zu Boden und Pärchen schlendern ganz nah bei einander durch die Nacht.

Tag 5 – nach Heho:

Aus irgendeinem Grund mag ich keine Turboprops. Nicht, dass ich wirklich Flugangst hätte. Dazu sitze ich zu oft in irgendwelchen Fliegern rund um die Welt. Trotzdem bin ich selten begeistert, wenn ich vom Bus auf dem Rollfeld abgeladen werde und nur eine kleine Maschine mit Propellern vor den Turbinen wartet. Völlig irrational, fühle ich mich darin tatsächlich weniger sicher. Insofern war ich nicht unglücklich, als unser Flug von Yangon nach Heho wieder auf der Rollbahn aufsetzte. Der Flughafen in Heho zeigte sich mindestens so klein, wie die Maschine. Ein einziger offener Raum, am Eingang zwei Beamte, die die Pässe kontrollieren, dahinter ein Durchgang in der Wand, zu dem mit Handkarren das Gepäck geliefert wird. Ein paar Meter die Einfahrt runter, hinter dem Gitterzaun, warten die Taxis auf der staubigen Piste. Es folgt die übliche Diskussion, bei der man gewinnt und trotzdem verliert. Der erste genannte Preis ist absurd. Eine kurze Verhandlung später, sind schon 20 Dollar von der Rechnung verschwunden. Am Ende hat man den Lonelyplanet-Preis ausgehandelt. Der Taxifahrer grinst zufrieden – liegt dieser doch immer noch mindestens 15 Dollar zu hoch. Aber was hilft es schon. Der Flughafen steht mitten in der grünen Wiese, beziehungsweise im roten Staub, kein Dorf weit und breit – und wie Kartellabsprachen funktionieren, das hat sich unter den Taxifahrern schon herumgesprochen.

Eine gute Fahrtstunde später kommen wir im Inle See an. Kurz werfe ich einen sehnsüchtigen Blick auf das Spa. Eine Massage könnte ich jetzt gut gebrauchen. So ganz ohne Stoßdämpfer, war die letzte Stunde auf der Rückbank des Taxis durchaus eine Herausforderung für die Wirbelsäule.

Morgen dann heißt es früh aufstehen. Wir haben uns über Empfehlungen ein Boot mit Guide gesucht, mit dem wir den Inle See abseits der ausgetretenen Pfade erkunden wollen.

Tag 6 – Inle See:

Zwei Tage haben wir rund um den Inle See verbracht und sind zutiefst beeindruckt. Die oft fotografierte Hauptattraktion des Sees sind die Fischer, die ihre Boote auf fast schon bizarr wirkende Art mit einem Bein rundern, während sie ihre konischen Körbe auswerfen und versuchen, darin die Fische aufzustöbern.

Besonders im Sonnenuntergang wirkt die Szenerie fast schon unwirklich schön. Aber auch sonst hat der Inle See viele wunderschöne Seiten, die man noch abseits der Touristenströme erkunden kann. Zwar ist man mit Sicherheit nicht der einzige Besucher am See. Bricht man aber früh am Morgen auf, trifft man auf wenige bis keine anderen Reisenden. Das Wasser liegt dann schwer und wie dahin gegossen im Morgenlicht. Und während außer dem Zirpen der Zikaden und den vielfältigen Rufen der unzähligen Wasservögel fast nichts zu hören ist, wirft der Kapitän den ‘Chinese Buffalo’, wie sie ihre Einzylinder-Motoren nennen, die sonst die Pflüge auf dem Feld und hier eben die Longtailboote treiben, an und knattert hinaus auf den See, in das flüssige Silber des Morgens.

Schon lange an der Arbeit sind zu dieser frühen Stunde die Bauern, die ihre Holzbarken mit Seegras beladen. Ist das Boot voll, machen sie sich auf den Rückweg zu ihren schwimmenden Gärten, die sich in langen Linien durch das Marschland des Sees ziehen. Überwiegend Tomaten werden hier um diese Jahreszeit angepflanzt. Aber auch allerlei andere Gemüse gedeihen auf den grünen Polstern, die mit Bambusstangen gehalten im See wogen. An deren Rande leben die Bauern mit ihren Familien in auf Stelzen tief in den See hineingebauten Häusern. Erstaunlich groß sind die Gebäude aus Holz und Wellblech, viele erstrecken sich über bis zu drei Stockwerke.

Von dort aus schwärmen die Familien zu den im 5-Tage-Rhythmus rotierenden Märkten der Region aus. Alleine diese Märkte sind jeden Besuch wert. Während die Intha, die traditionell am See ansässige Bevölkerung, das Bild dominieren, trifft man hier auch auf die Angehörigen der nahe gelegenen Bergvölker. Vor allem die Shan-Frauen, mit ihren auffällig zum Turban gebundenen Kopftüchern, fallen ins Auge.

Angeboten wird auf dem Märkten alles, von Grundnahrungsmitteln über Gewürze, Tee und Gemüse bis hin zu Haushaltswaren und Blumen. Sogar der Friseur hat seinen festen Platz auf dem Markt. Im kleinen Hafen herrscht ein geschäftiges Schieben und Rangieren. Jeder, ob Käufer oder Verkäufer, reist mit dem Boot an. So haben die Schiffer alle Hände voll zu tun, die raren Anlegeplätze bestmöglich zu nutzen und gleich darauf den anderen Booten Platz zu machen.

Tag 7 – Inle See:

Fast wäre uns einer unserer persönlichen schönsten Momente am Inle See entgangen. Der Pagodenwald von Indein, einem kleinen Dorf im Hinterland des Westufers des Inle Sees, sei auf Grund des niedrigen Wasserstands nicht erreichbar, heiß es zunächst. Wie so oft, wollte ich das nicht einsehen und suchte weiter, bis ich einen Schiffer fand, der die Fahrt machen wollte.

Tatsächlich braucht es dazu um die Jahreszeit, am Ende der Trockenzeit, einiges Geschick. Die flachen Flussläufe die nach Indein führen, haben oft nur noch wenige Handbreit Wasser. Um sie trotzdem schiffbar zu machen, werden sie mit Sandsäcken und Bambusmatten aufgestaut. So entstehen kleine Wasserfälle von bis zu 50 Zentimetern Höhe. Schleusen gibt es selbstverständlich nicht. Stattdessen benötigt man einen geübten Kapitän, der seinem Longtailboot gerade so viel Schwung gibt, dass er die Stufen hinauffahren kann, ohne es auf der anderen Seite kentern zu lassen. Die Kids waren begeistert. Besser als jede Achterbahn. Und wir wurden mit einer nahezu unberührten Pagodenlandschaft belohnt, in der sich fast 1.000 eingefallene, zum Teil durch das örtliche Kloster restaurierte, überwiegend vom Urwald überwachsene, Pagoden rund um das Dorf an die Hügel schmiegen. Wie ein kleines Siem Reap, nur dass man im Gegensatz zur fast schon überlaufenen Tempelstadt von Angkor Wat dort ganz alleine ist.

Vom Pagodenwald rund um Indein geht es den Fluß herunter, zurück zum Inle See. Es ist faszinierend zu sehen, wie das Wasser zum täglichen Leben der Menschen gehört. Es ist Bad, Waschküche, Spielplatz und Speisekammer zugleich. Hier wird gewaschen und gefischt, gebadet und gelebt.

Besonders wichtig ist den Menschen kurz vom buddhistischen Neujahrsfest auch der Besuch im Tempel. Wobei die buddhistischen Tempel ein wunderbar lebendiger Ort sind. Zwar wird hier gebetet, werden Almosen gebracht und man sieht Gläubige in tiefe Meditation versunken. Trotzdem sind diese Tempel in keiner Weise mit der steifen Atmosphäre in anderen Gotteshäusern gleichzusetzen. Es wird auch gemeinsam gelacht, in Gruppen flaniert und viele Selfies geschossen. Mehr als einmal müssen unsere Kids Model stehen und werden sich zukünftig wohl in irgendwelchen burmesischen Fotoalben, inmitten der Großfamilie, wiederfinden.

Besonders schön ist der Nga Phe Kyaung Tempel, auch unter dem Namen Jumping Cat Monastery bekannt. Zum Sprung nach ihrem Mittagessen abgerichtete Katzen gibt es hier zwar nicht mehr, seitdem ein neuer Abt das Ruder übernommen hat, dafür ist der, vom Wasser aus völlig unscheinbare Bau, im Inneren ein Kleinod historischer Holzschnitzkunst.

Tag 8 – vom Inle See nach Mandalay:

Seit heute nun ist Thingyan, das burmesische Neujahrsfest. Vier Tage lang dauert die, auch Waterfestival, genannte Feier. Wie in allen buddhistischen Ländern wird der Beginn des neuen Jahres mit dem Abwaschen der Altlasten aus dem alten Jahr begangen. In Myanmar ist dieses Fest in den letzten Jahren zur reinsten Wasserschlacht ausgeartet. Tropfte man früher noch den Vorbeikommenden etwas Wasser mit einem Blätterbüschel über die Schulter, feiert das ganze Land jetzt ausgelassen. Jugendliche sind in hochbeladenen Pickups mit dröhnend lautem burmesischen Technosound unterwegs. Der Alkohol fließt ebenso wie das Wasser in Strömen. Läden und Firmen sind geschlossen, das ganze Land in Bewegung und auf Reisen. Und auch das Internet ist offenbar in Feiertagslaune. Jedenfalls mag es die Tage nicht so recht funktionieren. Daher hier nur ein kurzes Foto. Der Rest dann demnächst…

Tag 9 – Amarapura, Inwa und Sagaing:

Amarapura

Nach einem Blick auf die bereits früh morgens gefluteten Straßen Mandalays beschließen wir, dem Tingyan-Trubel zumindest versuchsweise zu entfliehen. Die Innenstadt ist sowieso so gut wie unpassierbar, die offenen Trucks mit den feiernden Massen blockieren jede Straße und sämtliche Restaurants und Geschäfte sind geschlossen. Vielleicht sieht es auf dem Land ein bisschen ruhiger aus.

Wir machen uns auf den Weg nach Amarapura, einer Kleinstadt knapp 11 Kilometer südlich von Mandalay. Eine der berühmtesten Sehenswürdigkeiten in der alten Königstadt ist die U-Bein-Brücke. Fast jeder Reisebericht zu Myanmar zeigt Bilder der 1.200 Meter langen Teakholzbrücke, über die anmutig Mönche im Licht der untergehenden Abendsonne spazieren. Dass ich dieses Bild während des Waterfestivals nicht machen werde, ist mir klar. Darum steuern wir die Brücke gleich am Morgen an. Wir hatten mit Trubel gerechnet, aber nicht mit dem, was wir vorfinden. Rund um die altehrwürdige Brücke steht dieser Tage ein Jahrmarkt. Ganz Myanmar scheint hier auf den Beinen zu sein und zur Begrüßung des neuen Jahrs einmal über die Brücke wandern zu wollen. Das ist sehenswert. Allerdings hat es sonst so gar nichts von dem Charme, mit dem die Brücke normalerweise besticht.

Nach einem kurzen Rundblick lassen wir die Brücke hinter uns und gehen zum wenige hundert Meter entfernten Kloster von Ko Pyae. Bis zur bekannten Essenausgabe an die Mönche, wegen der wir hierher gekommen sind, bleibt noch ein bisschen Zeit und wir schauen uns im Kloster um. Beeindruckend ist die Küche, in deren riesigen Kesseln der gespendete Reis für die fast 2.000 im Kloster lebenden Mönche gart.

Hier in Lo Pyae haben die lokalen Thingyan-Ferien durchaus einen Vorteil, denn sie schrecken westliche Touristen ab. Unschönes ist zu lesen, über das Gedränge, dass hier zur Hauptreisezeit herrscht. Und auch die allgegenwärtigen Schilder, die auf Englisch darum bitten, den Gang der Mönche nicht zu stören oder zu durchqueren, sprechen eine deutliche Sprache. Doch heute sieht das anders aus. Statt gemeinsam mit einer Armada aufgebauter Stative und aufgeregter Touristen die Prozession der Mönche zur Essensausgabe zu beobachten, sind wir mit einer Handvoll anderer die einzigen Ausländer weit und breit.

Stattdessen sind viele Burmesen da, die die Zeremonie in großer Andacht betrachten, nachdem sie sich noch vorher den individuellen Segen von einem der Klosterbewohner abgeholt haben. Es ist tatsächlich beeindruckend zuzusehen, wie der Abt des Klosters den Gong zum Essen dreimal erklingen lässt und sich die bisher leere Gasse binnen Sekunden mit wortwörtlich tausenden Mönchen vom Kind bis zum Greis füllt, die sich geduldig in einer schier nicht enden wollenden Zweierreihe anstellen und geduldig warten, bis sie die großen Reistöpfe erreicht haben, bevor sie mit ihren Schalen ins Innere des offenen Essenssaals verschwinden.

Inwa

Anschließend geht es weiter Inwa. Ein Taxi bringt uns zum 6,5 Kilometer entfernten Anleger der rostigen Fährboote, die uns zur, im Zusammenfluss von Ayeryavady und Mjitnge, gelegenen Insel bringen.

Bis 1783 befand sich hier die Hauptstadt des Königsreichs Ava. Viele buddhistische Tempelanlagen zeugen von der herrschaftlichen Vergangenheit des alten Reichs. Auf Inwa angekommen, geht es nur noch mit Pferdekarren weiter. Die Idee, dass hier auf dem Land weniger mit Wasser geworfen wird, ist allerdings ein Trugschluss. Die Kamera muss wasserdicht verpackt in der Tasche bleiben, während der jugendliche Kutscher alle Hände voll zu tun hat, sein panisch nach jeder Dusche aufsteigendes Tier, am Durchgehen zu hindern. Und auch das Wasser kommt hier nicht mehr wie in Mandalay aus der Leitung, sondern aus kleinen brakigen Tümpeln und Flüssen. Bereits nach wenigen Minuten sind wir völlig durchnässt und freuen uns schon jetzt herzlich auf die Dusche bei der Rückkehr am Abend.

Trotzdem sind die Tempel und Kloster der untergegangenen Dynastien, die sich hier im Urwald verstecken, atemberaubend. Die Handwerkskunst reicht von klassischen Stupas bis hin zu aufwendig ausgeschmückten Tempeln, mal aus dunklen Tropenhölzern, mal mächtig und kompakt aus Stein erbaut, wie die The Queen’s Brick Monastery.

Nach einem relaxten Mittagessen am Ufer des Ayeryavady, das Restaurant trägt den etwas merkwürdig anmutenden Namen ‚Ave Maria’ und besteht im Wesentlichen aus einer Bambushütte und einigen Tischen und Stühlen unter schattenspendenden Bäumen, geht es zurück ans Festland und weiter nach Sagaing.

Sagaing

Die 700 m lange, von den Briten erbaute Ava-Brücke überquert den Ayeryavady und verbindet Mandalay mit Sagaing. Bis 1998 war sie die einzige Brücke, über den 2170 km langen Fluss. Sagaing selbst ist eines der buddhistischen Zentren Myanmars und gruppiert sich um den Sagaing-Hügel. Mehr als 600 Stupas und Klöster und 100 Meditationszentren sind hier zu finden, in denen mehr als 6000 Mönche und Nonnen leben. Unser Ziel ist die auf dem Sagaing Hill gelegene Golden Pagoda.

Von hier hat man einen atemberaubenden Ausblick auf die umliegende Hügellandschaft aus deren grünem Dickicht sich die Dächer der Tempel und Stupas erheben und über den gemächlich in der Ferne dahintreibenden Fluss. Auch hier herrscht Volksfeststimmung. Die eine Woche Ferien rund um das Neujahrsfest nutzen mittlerweile viele Burmesen, um das eigene Land zu erkunden. Die Gruppentouren sind eine Mischung aus Pilgerreise und Kaffeefahrt, die Laune ist ausgelassen und die Aufregung groß. Wieder sind wir fast die einzigen westlichen Besucher in der Pagode und die Kids müssen für unzählige Familienfotos Model stehen, was sie mit einem freundlichen Lächeln höflich über sich ergehen lassen.

Am nächsten Morgen heißt es früh zusammenpacken. Knapp 500 Kilometer auf teils schlecht ausgebauten Straßen und durch den immer noch andauernden Waterfestival-Trubel liegen vor uns, bevor wir den Mount Popa und später Bagan erreichen werden.

Tag 10 – Mount Popa

Etwa 50 Kilometer von Bagan entfernt liegt der Mount Popa, ein inaktiver Vulkan in der Myingyan-Ebene. Der Vulkan, der sich gemeinsam mit dem Taung Kalat Kegel über die ansonsten gänzlich flache Umgebung erhebt, gilt als Wohnsitz der Nats – Geister, die im burmesischen Buddhismus ihren festen Platz gefunden haben und als Schutzheilige verehrt werden.

Mount Papa kann entweder als Tagesausflug von Bagan aus besucht werden oder man nimmt, so wie wir das gemacht haben, auf dem Landweg von Mandalay nach Bagan einen kleinen Umweg in Kauf. Der kostet einen allerdings mindestens eine Stunde Fahrtzeit, da die kleinere Straße durch die Myingyan-Ebene wesentlich schlechter ausgebaut ist, als die Hauptroute Mandalay-Bagan.

Die 1059 erbaute Pagode kann über 777 Stufen erstiegen werden. Ihr faszinierender Anblick, wie sie ähnlich einem Schwalbennest auf dem schmalen Vulkankegel klebt, erschließt sich aber wesentlich besser aus der Ferne. Dazu bietet sich das Mount Papa Resort an, das der Pagode direkt gegenüberliegt. Gegen ein Eintrittsgeld von 2 Dollar kann man hier den Ausblick auf Tuyin Taung im Infinitypool treibend oder von der, bei Sonne sicherlich herrlich, schattig eingewachsenen Terrasse im Garten des Restaurants aus betrachten. Wer im Resort etwas isst, erhält die 2 Dollar Eintrittsgeld anschließend zurück.

Leider tobte sich, als wir am Mount Popa waren, gerade Zyklon Maarathu über der Straße von Bengalen aus, dessen Ausläufer mitten in der Trockenzeit ungewöhnlich heftige Wolken und Regengüsse ins Landesinnere drängten. Doch nach der Hitze von Mandalay, war die Kühle hier oben ausgesprochen angenehm, auch wenn die Aussicht dadurch ein wenig im Grau in Grau verschwand.

Tag 11 und 12 – Bagan

Zwei volle Tage haben wir uns einfach nur durch Bagan treiben lassen. Ich schreibe bewusst treiben, denn wir sind keinem bestimmten Plan gefolgt.

3.000 Pagoden stehen in der archaischen Landschaft rund um Old Bagan, New Bagan und Nyaung-U. Um sie alle anzuschauen, bräuchte man wohl einige Wochen. Natürlich gibt es Top 10 Listen der schönsten und wichtigsten Pagoden. An den meisten von diesen kommt man eh früher oder später vorbei, weil sie alleine schon durch ihre Größe oder die dahin strömenden Menschen auffallen.

Statt Karte, Reiseplan oder Guide zu folgen, haben wir uns einfach zwei Scooter gemietet, die als E-Bike überall in Bagan angeboten werden. Mit maximal 50 km/h, aber ohne das typische Knattern, kommt man damit überall hin. Nur manchmal wird der Sand so tief, dass man schieben muss. Oder, wie in unserem Fall, stehen riesige Pfützen eines nächtlichen Regengusses im Weg, nach deren Durchqueren man über und über mit rotem Schlamm bespritzt ist. Macht aber nichts, geht allen so, und trocknet bei knapp 40 Grad auch gleich wieder.

Westliche Touristen haben wir in und um Bagan kaum getroffen. Voll war es trotzdem an manchen Stellen. Denn in der während der offiziellen Neujahrsferien sind ziemlich viele Burmesen in Reisegruppen in den Tempeln unterwegs. Allerdings trifft man sie nur an bestimmten Pagoden, denn ihre Reisepläne folgen anderen Zielen als unsere. Während wir uns für die zerfallenen Pagoden tief im Hinterland interessieren, die malerisch, zum Teil von Vegetation überwuchert auf der staubig roten Erde stehen, zieht es die Gläubigen zu den aktivsten Tempeln entlang der Hauptstraßen, in denen für sie wichtige Buddha-Statuen stehen.

Nur zum Sonnenuntergang auf der Shwesandaw Pagode treffen sich dann alle wieder. Nach dem Erdbeben von 2016 tragen immer noch viele der Tempel die Spuren der Beschädigungen. Die Pagodenschirme sind oft in Bambusgerüste gehüllt und werden nach wie vor wieder aufgebaut. Außerdem ist das Besteigen der meisten Pagoden verboten worden. So gibt es für die Beobachtung des Sonnenauf- und untergangs nur noch zwei wirklich hohe Pagoden, die Bestiegen werden dürfen. Dass es hier dann etwas enger wird, ist klar. Wobei die romantische Aussicht leider das einzig romantische ist. Sich still hinsetzen und schweigend den Anblick der untergehenden Sonne betrachten, scheint eine eher europäische Idee zu sein. Jedenfalls herrschte auf der Shwesandaw am Abend ausgelassene Volksfeststimmung, während Besucher, Mönche, Kinder und Großmütter alle gemeinsam die steilen Treppen der Pagode erklommen und nach einem Plätzchen auf den überfüllten Terrassen suchten, gleichmäßig untermalt vom Hupen und Knattern der anfahrenden Busse, Motorräder und Pick-ups.

Einen ruhigeren Aussichtspunkt fanden wir zufällig an einem anderen Abend direkt hinter dem Dhaka-ya-za-ka Zedi (der in vielen Reiseführern selbst als Aussichtspunkt für den Sonnenuntergang beschrieben ist, seit dem Erdbeben aber nicht mehr bestiegen werden darf) etwas abseits der Straße zwischen New Bagan und Nyaung-U. Hier steht ein kleiner, quadratischer Tempel, der in keinem Reiseführer verzeichnet ist, da er eher niedrig ist. Aus diesem Grund ist man hier fast alleine. Trotzdem bietet er auf Grund seiner erhöhten Lage zum Sonnenuntergang einen schönen Ausblick über die im Abenddunst liegende Tempellandschaft. Und während es langsam Dunkel wird erleuchtet hinter einem der majestätisch goldglänzende Turm des Dhaka-ya-za-ka Zedi, der im Dunkeln angestrahlt wird.

Ich hatte im Vorfeld unseres Besuchs in Bagan viel gelesen. Im Netz finden sich unzählige Vorschläge zu den besten Routen und Touren durch die Tempel. Am Ende entschied ich mich für einen anderen Vorschlag: „Rent a Scooter and just get lost.“ Das entspricht genau unserer Reiseart. Wir folgen nur ungern festgelegten Wegen. Erfahrungsgemäß erlebt man ein Land viel intensiver, wenn man sich einfach treiben lässt. Denn wer nur seinem Besichtigungsplan hinterher läuft, verpasst oftmals aus Zeitmangel die kleinen, besonderen Momente und Begegnungen, die das Reisen ausmachen.

Stattdessen haben wir viel Zeit in den aktiven Tempel verbracht und die sich dort drängenden Burmesen beobachtet, die mit sichtlicher Begeisterung zwischen tiefer Frömmigkeit und fröhlichem Familienfest, zwischen Pilgerreise und Urlaubsstimmung schwankten und für die wir selbst zum Sightseeing-Objekt wurden. Wir haben uns abseits der großen Straßen auf Sandwegen und Schotterpisten den Fahrtwind um die Nase wehen lassen und dabei festgestellt, dass die E-Bikes auf stattliche 50 km/h kommen. Was, nachdem ich erst einmal rausgefunden hatte wie man so ein Ding mit Kind auf dem Sozius fährt, ohne dabei zu versterben, ein Riesenspaß war.

Die Große durfte abseits zwischen den abgelegenen Tempeln ihre eigenen Runden drehen und fiebert nun dem Alter entgegen, in dem sie endlich einen eigenen Führerschein machen kann. Die heiße Mittagszeit vertrödelten wir in einem Garten mit Blick auf den Ayeyarwaddy, schauten auf den träge dahinfließenden Fluss und lauschten dem lauten Knattern der großen Lastkähne. Kurz, wir hatten eine großartige, entspannte Zeit voller tiefer Eindrücke, besonderer kleiner und großer Momente und jede Menge Spaß. Wenn mich in Zukunft jemand fragt, was man in Bagan machen soll, dann lautet meine Antwort ebenfalls: Rent a Scooter and just get lost.

Tag 13 – 17 – Rakhine und Ngapali

Tag 18 – Yangon



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