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Zu Besuch in Hogwarts

Gemütlich sinken wir in die weichen Kinosessel zurück, gespannt, was nun kommen mag. Kurz bevor das Licht ausgeht ruft die Warner Bros. Mitarbeiterin noch fröhlich in ihr Mikrofon: „Und jetzt wünsche ich Euch viel Spaß bei allen acht Harry Potter Filmen. Ich hole Euch dann morgen ab.“ Kurz legt sich ein betretenes Schweigen über die Reihen. Die meisten müssen die unerwartete Nachricht wohl erst mal sacken lassen. Dann brandet schallendes Gelächter auf.

Was folgt, ist aber doch kein einundzwanzigstündiger Filmmarathon, vom Stein der Weisen bis zu den Heiligtümern des Todes, sondern, wie es sich für eine Studio Tour gehört, eine kurze Einführung ins Making-of der Harry Potter Filme. Daniel Ratcliffe, Rupert Grint und Emma Watson kommen zu Wort. Bei den Bildern wird einem klar, was für eine merkwürdige Kindheit das gewesen sein muss. Wer verbringt schon die Jahre zwischen Zehn und Zwanzig überwiegend an einem Filmset, umgeben von einer riesigen Crew zumeist erwachsener Kollegen, mit Hauslehrer und rotem Teppich, überall auf der Welt von begeisterten Fans frenetisch gefeiert?

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Der kurze Moment der Nachdenklichkeit verflüchtigt sich schnell als das Saallicht wieder angeht und die Leinwand nach oben fährt. Denn dahinter verbirgt sich das, worauf die meisten Besucher der Warner Bros. Studio Tour London hingefiebert haben. Zwei riesige Flügeltore verschließen den Eingang und fast jeder ist sich sicher – dahinter muss die Große Halle liegen.

Eintritt in die Harry Potter Welt

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Kaum schwingen die Tore auf stürzen viele der Besucher begeistert vorwärts und finden sich unmittelbar im Traum ihrer Kindheit wieder. Festlich gedeckt erstrecken sich die Tafeln zu beiden Seiten des Saales. Die Tische bersten beinahe unter ihrer Last goldener Teller und erlesener Weihnachtsspeisen. Überreich dekorierte Christbäume erleuchten den Raum und fast ist man sich sicher, dass Dumbledore sich jeden Moment erheben wird, um zu seiner Weihnachtsansprache anzusetzen.

Nicht nur die ausgestellten Kulissen sind Originale aus den Harry Potter Filmen, auch unser Guide ist ein waschechter Hufflepuff. Niemand geringeres als Ernie Macmillan führt uns die nächsten Stunden über das Gelände. Ernie, der mit bürgerlichem Namen eigentlich Jamie Marks heißt und im letzten Film der Harry Potter Reihe am großen Kampf um Hogwarts teilnahm, begeistert uns vor allem mit seinem Detailwissen über die Produktion.

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So bleiben viele unterhaltsame Details dem normalen Kinozuschauer verborgen. Wer hätte zum Beispiel gedacht, dass auf den überall im Schloß hängenden sprechenden Porträts, ein Teil der Produktionscrew verewigt ist.

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Blick hinter die Kulissen

Überhaupt, die Crew. Nicht wenige von ihnen gehörten während aller acht Produktionen zum Team. Viele betonen, dass sich die Zeit wie ein Teil einer großen Familie angefühlt hat und einige arbeiten bis heute auf dem Studiogelände. Da ist zum Beispiel Jose Granell, der als Model Supervisor für das riesige Schlossmodel verantwortlich war, in dem die Außenszenen rund um Hogwarts gedreht wurden. Heute sieht er sein Modell das erste Mal während der Publikumszeiten in der Ausstellung. Und er kann sich offenkundig gar nicht sattsehen.

Bei jeder neuen Besuchergruppe, die um die Ecke biegt und mit begeisterten Ausrufen Richtung Schloss stürzt, scheint der ohnehin schon hochgewachsene Mann noch ein bisschen größer zu werden. Fast bin ich mir sicher, kurz eine Träne der Rührung in seinem Augenwinkel glitzern zu sehen. Und während er erzählt, dass in den meisten Filmen das Ergebnis seiner monatelangen Arbeit irgendwann explodiert und die unzähligen investierten Stunden in Schall und Rauch aufgehen, versteht man umso mehr, wie viel es ihm bedeutet, dass Hogwarts Castle heute hier in der Studio Tour steht.

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Die folgenden Stunden verbringen wir an Gleis 9 ¾, laufen durch den Hogwarts Express, werfen einen Blick auf die Kamine des Zaubereiministerium, staunen über die unzähligen in Gläsern präparierten Fabelwesen, die in langen Reihen auf den staubigen Regalen von Snapes Zaubertranklabor stehen, stehen staunend in Dumbledores Büro, klopfen an die Tür der Dursleys im Ligusterweg und besteigen den Fahrenden Ritter.

Wer bis hier nur Bahnhof versteht, dem sei gesagt, dass die Studio Tour definitiv etwas für eingefleischte Harry Potter Fans ist. Im Gegensatz zu anderen Studiotouren gibt es hier keinen Rummel und keine actiongeladenen Achterbahnen, dafür echtes Butterbier, einen gruseligen Besuch bei Borgin and Burkes und ganz viel Hintergrundwissen zu den extrem aufwändigen Produktionen.

Ein Fest für alle Harry Potter Fans

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Und echte Fans, die sind zuhauf da. Mit glänzenden Augen betrachten sie den jetzt zur Weihnachtszeit extra aufgestellten, festlich geschmückten Weihnachtsbaum im Gemeinschaftszimmer der Gryffindors, schießen Selfies in der Winkelgasse und verziehen beim Verzehr von Bertie Botts Bohnen jeder Geschmacksrichtung begeistert das Gesicht.

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Auch ich bin begeistert. Hatte ich mich zur eigentlichen Hypezeit der Harry Potter Bücher und Filme anfang der Zweitausender dem vermeintlichen Kinderbuchwahnsinn noch überheblich entzogen, wurde ich eines Besseren belehrt, als ich anfing die Bücher mit meinen Kids zu lesen. Wir waren noch nicht ganz am Ende von Band Zwei, da hatte ich heimlich bereits alle sieben Bücher durch. Ein bisschen wehmütig verabschiede ich mich daher am Ende der Tour von der zauberhaften Harry Potter Welt. Nach Hause fahre ich mit einigen dicken Schokofröschen im Gepäck und dem festen Vorsatz, mir gleich am nächsten Wochenende die Harry Potter Filme noch einmal anzusehen. Und zwar alle acht.

Info:

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Tickets für die Warner Bros. Studio Tour London müssen vorab gekauft werden: → zur Onlinebestellung

Beim Kauf der Tickets muss man sich auf ein Datum und einen Timeslot für den Einlass festlegen, der auch unbedingt eingehalten werden muss. Danach kann man sich beliebig lange, bis zur Schließzeit des Studiogeländes, in den Räumen der Tour aufhalten.

Die Studiotour liegt etwas ausserhalb der Londons, nahe dem kleinen Ort Leavesden. Der nächstgelegene Bahnhof ist Watford Junction. Es gibt Direktverbindungen von London Euston (Fahrtdauer 20 Minuten) und Birmingham New Street (Fahrtdauer 1 Stunde). Zwischen dem Bahnhof Watford Junction und dem Studio verkehrt ein Shuttle-Bus (Mullany’s Coaches) im 30-Minuten-Takt (Fahrtdauer etwa 15 Minuten). Die Anreise sollte so geplant werden, dass man 45 Minuten vor dem auf dem Ticket angegebenen Termin in Watford Junction ankommen.

Aus dem Stadtzentrum Londons bietet Golden Tours vom Busbahnhof in Victoria ausgehend dreimal täglich (um 8, 11 und 14 Uhr) Fahrten zum Tourgelände an.

Hoteltipp:

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Wer einen der morgendlichen Timeslots wählt, was zumindest während unseres Aufenthalts sehr zu empfehlen war, da es Vormittags deutlich leerer auf dem Gelände ist, kann sich die frühe Anfahrt sparen, indem er in der Nähe übernachtet.

Nur wenige Fahrtminuten vom Studiogelände entfernt liegt das The Grove. Das, zugegeben nicht ganz günstige, dafür umso beeindruckendere Haus aus dem 18. Jahrhundert, das früher dem Earl of Clarendon als Wohnsitz diente, umfasst ein über 120 Hektar großes Parkgelände mit einem alten ummauerten Garten und stimmt mit seinem traditionell britischem Ambiente perfekt auf die Harry Potter Welt ein. Der Kinderclub, ein Innenpool und ein großer Spielplatz sorgen dafür, dass der Kurztrip schon vor der Studiotour für die Kids ein riesen Spaß wird, während die Erwachsenen im Spa und in den drei Restaurants des zu den The Leading Hotels of the World gehörenden Hauses relaxen und genießen können.

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Offenlegung: Die Recherche wurde von der Warner Bros. Studio Tour London unterstützt. Dies hat keinen Einfluss auf den Inhalt der Berichterstattung. Dieser Blog unterliegt den Regeln des Reiseblogger-Kodex. Unsere Standards der Transparenz und journalistischen Unabhängigkeit findet ihr hier.



There are 2 comments

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  1. Sabine

    Liebe Claudia,
    da werden wir wohl alle nochmal Kind! Ich muss mich auch als Harry Potter Fan outen. Auch ich habe alle Bände verschlungen ;-). Wenn ich das nächste Mal nach London komme, muss ich mir das unbedingt anschauen!
    Liebe Grüße,
    Sabine

    • Claudia Böttcher

      Liebe Sabine,
      mach das unbedingt. Es lohnt sich wirklich. Ich könnte gleich noch mal hinfahren.
      Liebe Grüße,
      Claudia


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